I. Handlungsbedarf und Förderziele
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) will mit dem Wettbewerb „Energieeffiziente IKT für Mittelstand, Verwaltung und Wohnen - IT2Green“ ausgewählte Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (FuE-Aktivitäten) zur beschleunigten Entwicklung und breitenwirksamen Nutzung energie-, umwelteffizienter und innovativer Informations- und Kommunikationsinfrastrukturen sowie Dienste für Mittelstand, Verwaltung und Wohnen fördern. Die FuE-Aktivitäten sollen im Rahmen von Modellprojekten für Wirtschaft, Verwaltung und Wohnen zu Systemlösungen führen. Die Fördermaßnahme ist Bestandteil des auf dem IT-Gipfel im November 2008 beschlossenen Aktionsplans „Green IT-Pionier Deutschland“. Die gewonnenen Erfahrungen, Methoden, Werkzeuge, Benchmarks und Standards werden unmittelbar in die weiteren Aktivitäten des Aktionsplanes einfließen. Die Fördermaßnahme schließt an das Leuchtturmprojekt E-Energy an und soll FuE-Aktivitäten beschleunigen und verstärken, die auf eine Optimierung der Energieeffizienz der IKT-Nutzung ausgerichtet sind. Damit soll verhindert werden, dass IKT aufgrund des zunehmenden Energiebedarfs Teil des Problems wird. Sie soll ihr Potential als Hauptinstrument zur Lösung des Energie- und Klimaproblems voll zur Entfaltung bringen.Schon im Jahr 2001 lag die Energiemenge, die durch die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in Deutschland verbraucht wurde, mit rund 38 TWh bei 7,1% des gesamten Elektroenergieverbrauchs. Im Jahr 2007 betrug der IKT-bedingte Stromverbrauch mit 55,4 TWh bereits 10,5% des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland. Ohne Gegenmaßnahmen erwartet man bis zum Jahr 2020 einen Anstieg um mehr als 20% auf rund 66,7 TWh. Dies ist ein Ergebnis der im Auftrag des BMWi von den Fraunhoferinstituten IZM und ISI erarbeiteten Studie „Abschätzung des Energiebedarfs der weiteren Entwicklung der Informationsgesellschaft“. Informations- und Kommunikationstechnologien werden damit als globale Infrastrukturen selbst zu Großverbrauchern elektrischer Energie.
IKT-Anwendungen in privaten Haushalten haben mit knapp 60% des Verbrauchs daran den größten Anteil. Auch Büros in Verwaltung und Wirtschaft werden zunehmend große IT-Anwender. Neben solchen Endverbrauchern in Haushalt und Büro spielen die zu deren Betrieb notwendigen, meist im Hintergrund verborgenen Infrastrukturen eine entscheidende Rolle. Alle Dienste im Internet sind z.B. auf Kommunikationsnetze, Server oder Rechenzentren angewiesen, die einen nicht zu vernachlässigenden Anteil am Energieverbrauch aufweisen.
Mit dem Integrierten Energie- und Klimaprogramm (IEKP) hat die Bundesregierung ein ehrgeiziges und umfangreiches Projekt zum Klimaschutz auf den Weg gebracht. Ziel der Bundesregierung ist es, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um 40% gegenüber 1990 zu senken.
Auf dem Dritten Nationalen IT-Gipfel im November 2008 haben Bundesregierung und Wirtschaft den Aktionsplan „Green IT-Pionier Deutschland“ zur Förderung von „Forschung und Entwicklung sowie den Einsatz ressourcenschonender IKT-Produkte und Dienstleistungen“ verabschiedet. Eine Kernaussage ist: „IKT-Produkte müssen nicht nur energieeffizient und ressourcenschonend konstruiert werden – sie müssen auch in diesem Sinne genutzt werden.“
In der Wirtschaft sprechen längst nicht mehr allein ökologische Gründe für den energieeffizienten Umgang mit den elektronischen Infrastrukturen. Steigende Energiepreise führen auch zu größeren ökonomischen Anreizen zur Senkung der Energiekosten. Betroffen sind nicht nur Betreiber großer Rechenzentren wie etwa Banken, Versicherungen oder Internetdiensteanbieter. Kleine und mittelständische Unternehmen, öffentliche Verwaltungen und Einrichtungen (z.B. Universitäten, Schulen und Krankenhäuser) spüren vermehrt den erhöhten Kostendruck, der durch steigende Energiepreise und gleichzeitig steigenden IT-Strombedarf bedingt ist. Um dem zu begegnen, nutzen daher kleinere Firmen zunehmend Outsourcing-Angebote beispielsweise für die Pflege von Webseiten und E-Mail-Accounts. Es werden zunehmend IT-Aufgaben an externe Dienstleister ausgelagert. Hiermit entstehen weitere Möglichkeiten, den Energieverbrauch zu optimieren. Auch die zunehmende Nutzung breitbandiger Dienste (z.B. Video on Demand) in den Haushalten trägt zu einem steigendem Energieverbrauch bei. Der Bedarf an Optimierung wächst auch hier.
Im neuen Förderschwerpunkt „IT2Green“ sollen Best Practice-Lösungen für zukünftige energieeffiziente IKT-Anwendungen und Dienstleistungen in Wirtschaft, Verwaltung und privaten Haushalten entstehen. Durch die Verbindung von FuE und Anwendung sollen ganzheitliche Systemansätze - von der Informationserzeugung über die Speicherung und Verteilung bis zur Nutzung – erforscht, entwickelt und evaluiert werden, um energieeffiziente Modelllösungen demonstrieren zu können. Um eine rasche Verbreitung zu ermöglichen, bedarf es entsprechender Lösungskonzepte. Wichtige Elemente sind dabei Nutzer- und Bedarfsprofile, Anforderungskataloge, optimale Netzanbindung und Nutzung des Potentials (regionaler) Rechen- und Serverzentren und die sich daraus ergebenden Dienstleistungen. Dabei sind u.a. Methoden zur Effizienzmessung und –optimierung zu berücksichtigen. Ansatzpunkte könnten beispielsweise „Thin Client“- und „Cloud Computing“-Anwendungen liefern. Als wesentliche Ergebnisse werden erwartet:
- ökologische, technische und ökonomische Benchmarks,
- Geschäftsmodelle,
- Modularität und Standards,
- Simulations- und Entwicklungstools
- sowie Wege zu Datensicherheit/-schutz
Diese Zielstellung verdeutlicht die folgende Abbildung:

Bildquelle: Marco Schmidt, PT-DLR
Die Fördermaßnahme zielt darauf, die globale Wettbewerbsfähigkeit und System-Kompetenz der IKT-Wirtschaft sowie der eingebundenen Wissenschaft in Deutschland zu verbessern, um die Standortattraktivität insgesamt zu steigern. Des Weiteren soll „IT2Green“ die digitale Konvergenz und die Schaffung neuer IKT-Dienstleistungen mit Beispiellösungen in Modelllösungen voranbringen. Ein zusätzliches Ziel liegt in der Entlastung der Gesamtwirtschaft einschließlich der Verwaltungen sowie der privaten Haushalte durch eine deutlich höhere Energieeffizienz der IKT-Infrastrukturen. Insgesamt sollen Nachahmungseffekte, neue Geschäftsideen und Folgeinvestitionen angeregt und neue Tätigkeitsfelder und Märkte im In- und Ausland erschlossen werden.

